Wie geht es jüdischen Menschen in der Schweiz?
Shownotes
Jüdische Menschen auf der ganzen Welt erleben seit dem 7. Oktober 2023 vermehrt Anfeindungen und Verunsicherung – auch bei uns in der Schweiz. Viele fürchten sich davor und passen ihre Sprache und ihre Kleidung an aus Angst, als jüdisch erkannt zu werden.
Der Antisemitismusbericht 2024 des SIG und der GRA (Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund und Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus) zeigt: Antisemitische Vorfälle kommen aus allen gesellschaftlichen Lagern. Betroffene wünschen sich mehr Verständnis, Differenzierung und Zivilcourage von ihren Mitmenschen.
Im Podcast reden wir mit zwei Betroffenen sowie als Fachpersonen mit der Co-Präsidentin der Kulturkommission der Jüdischen Gemeinde Bern und mit dem Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds.
Kontakt: Hast du von antisemitischen Vorfällen gehört oder solche selbst erlebt? Wie gehst du damit um? Was sind deine konstruktiven Ideen zu diesem Thema?
Lass es uns gerne wissen über das Webformular auf erf-medien.ch/podcast. Wir freuen uns über alle Fragen, Feedbacks und Themenvorschläge!
Dieser Podcast wird von ERF Medien produziert – einem spendenfinanzierten Medienhaus. Mit deiner Spende hilfst du, dass wir weiterhin solche und andere Podcasts produzieren können. Spenden geht ganz einfach über diesen Link. Danke von Herzen.
https://erf-medien.ch/sinnvoll-spenden/spendeninfos/jetzt-spenden-podcast/
Im Podcast zu hören:
• Amit aus Winterthur • Dr. Hannah Einhaus | Historikerin, Journalistin, Co-Präsidentin der Jüdischen Gemeinde Bern • Nadine aus Zürich • Jonathan Kreutner | Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG)
Autor/Host und Redaktionsteam: Georg Hoffmann, Raffael Stegmayer
Links:
- Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (SIG): https://swissjews.ch/de/
- Antisemitismusbericht 2024: https://swissjews.ch/de/services/praevention/antisemitismusbericht/
- Dialog- und Aufklärungsporjekt «Likrat»: https://likrat.ch/de/
- Dr. Hannah Einhaus: https://www.worthaus.ch/
Biografie Georges Brunschvig - Schweizer Jude und jüdischer Schweizer: https://www.worthaus.ch/spezialgebiete/biografie-brunschvig/
Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:10: Wenn irgendwo der Antisemitismus, wenn der Judenhass sich ausbreiten kann, dann sieht es meistens nicht so gut aus.
00:00:18: und Demokratie.
00:00:19: Ich
00:00:19: befürchte, dass wir auf einem in einem öffentlichen Niveau oder einer Situation erreicht haben, die so zunneren Arten.
00:00:26: die Normalität könnte werden.
00:00:28: Die erste Reaktion ist das epigenetische Trauma von dem jüdischen Volk, dass ich jetzt mit Pakten koffere, da sitze, dass ich mir die ganze Zeit überlege, wenn Musik an, Musik
00:00:41: an.
00:00:42: Und wenn die Kinder lernen, Hass vom kleinen Alter, vom Kind oder auch vorher, vom Elf, vom Mama oder vom Papa, es wird nie Frieden in dieser Welt.
00:00:53: Das ist relevant heute mit mir, im Raphael Stegmeier.
00:00:57: Und wir reden heute über die Situation von jüdischen Menschen heute, speziell auch hier bei uns in der Schweiz, aber auch im Zusammenhang mit den Ereignissen der ganzen Welt.
00:01:07: Aktuell wichtig ist hier sicher der Anschlag der KAMAS am siebten Oktober, die der jüngste Konflikt zwischen Gaza und Israel los ging.
00:01:16: Und das spüren jüdische Menschen auf der ganzen Welt, egal wie stark sie mit Israel verbunden sind.
00:01:23: oder eben nicht.
00:01:25: Und da sind wir dann bald auch bei Themen wie Rassendiskriminierung und Antisemitismus, weil in der Köpfe von einigen nicht unterschieden wird zwischen jüdischen Menschen, also kulturell oder religiös, und andererseits einem Staat Israel und seiner Politik.
00:01:45: Jetzt stelle dir mal vor, du lebst hier in der Schweiz und hast Angst davor, ein Kettel mit einem Kreuz anzulecken.
00:01:53: Und du schwetsisch in der Öffentlichkeit immer Schweizerdeutsch, obwohl du eigenliter Essiener bist und mit deinen Leuten sonst italienisch reden wirst.
00:02:01: So ähnlich geht es mittlerweile vielen jüdischen Menschen hier in der Schweiz mit ihrer eigenen Sprache und ihren religiösen Symbol.
00:02:09: Damit aus dem Wintertour zum Beispiel, er spricht nicht Hebräisch, auch wenn seine Eltern aus dem Ausland besucht sind, die kein Deutsch sprechen.
00:02:18: Wir reden alle Englisch.
00:02:21: Natürlich trage ich keine David-Shield als Kette oder Kippa auf dem Kopf oder alle Zeichen, was es wie jüdisch ist, es wäre besser zu vermeiden.
00:02:36: Und das macht damit aus einem Grund, er macht sich Sorgen um seine Sicherheit.
00:02:41: Konkret Angst, dass die mich schlagen.
00:02:45: Ich hatte eine schlechte Erfahrung in Zürich, dass jemand auf uns gespuckt, weil wir aber Bräsche gesprochen haben und geschrien haben.
00:02:56: Alle Juden müssen zurück zu Deutschland und so.
00:03:01: Ja, ich habe Angst.
00:03:02: Natürlich, ich will nicht meine Leben riskieren wegen einer Idiot.
00:03:09: Ich glaube, angespuckt werden kann man ganz klar Diskriminierung nennen.
00:03:14: Das Problem sagt, dass die Leute nicht unterscheiden zwischen die jüdischen Menschen und die Leute aus Israel und, dass sie dann alle für die israelische Politik verantwortlich machen.
00:03:23: Heute,
00:03:24: der neue Antisemismus ist gegen Israel, die gleich wie die Juden.
00:03:31: Das ist die neue Form vom Haus.
00:03:38: Ich
00:03:46: sehe aus wie ein Arabischer vom Libanon.
00:03:48: Ich weiss, ob du die Richtung kannst, aber das ist mein Gesicht.
00:03:52: Ähm, ja, ich habe sehr gerne die arabische Kultur.
00:03:56: Ich tente das Essen.
00:03:58: Ähm, ich sehe mich auch als Araber.
00:04:01: Aber vom Religion ist etwas anderes.
00:04:04: Und weil er arabisches Essen sehr gerne hat und das auch ein Teil seiner kulturellen Identität ist, ist er früher auch hier in der Schweiz in arabisch- und türkischen Lederlinien seine Zutaten posten hat er erzählt.
00:04:17: Und da hatte er auch immer wieder seinen kleinen Sohn dabei, im Kinderwagen.
00:04:21: Er singt auf der Breise, Halleluja, ich bin Bersday, alles auf der Breise, ja oder so singen.
00:04:28: Und plötzlich kommen drei Leute zu uns sehr, sehr nahe und haben gefragt, welchen Sprache sprichst du?
00:04:34: Welche Sprache sprichst du?
00:04:35: Und ich müsste lügen und sagen, weisst du, ich bin Italiener, ich habe letzte Woche nach hier gekommen.
00:04:43: Und wie kann ich euch helfen?
00:04:45: Und ich hatte mega Angst.
00:04:47: Also, eine rechte Droh-Kulisse.
00:04:51: Und die Konsequenz ist, er vermietet jetzt den Kontakt.
00:04:54: Ich habe keinen Kontakt mit den arabischen Leuten mehr.
00:04:58: Vorher hatte ich gehabt, aber heute nicht mehr.
00:05:01: Schon jahrelang, es wäre besser zu vermeiden Kontakt mit Muslime.
00:05:07: Und ich habe leider oder vor Vorteil, ich habe gelernt einfach zu kochen alles, was ich mag.
00:05:14: Und ich bestelle nicht mehr oder gehe nicht mehr zum Restaurants, wo die Araber sind Besitzer, was ich lieber nenne, so der türkische Laden, Döner Kebab oder solche Sachen.
00:05:27: Das alles aus Angst vor Konflikt.
00:05:30: Darum wollte ich von Amit auch wissen, ob er dann eine Lösung sieht.
00:05:35: Ich glaube, die Lösung konnte mit Erziehung.
00:05:38: Sie musste noch lernen, nicht zum Judenhassen oder anderen Menschen in den Namen von Gott.
00:05:44: Und ich hoffe, das kommt in die nächsten fünfhundert Jahre, aber das kommt sicher jetzt nicht.
00:05:49: Weil die Prozesse vor Menschen dauert viele Jahre, wenn ich vergleiche zu Christentum, dass die letzten zweitausend Jahre dauert, bis die Christentum zu diesem Punkt kommt, dass die akzeptieren Judentum und entwickeln die gleichen Werte.
00:06:14: und von der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus gehen an, sei es schwierig, die Vorfälle an einer bestimmten Gruppe anzulasten.
00:06:23: Islamisten, Links- und Rechtsradikale, aber auch Leute aus der Mitte der Gesellschaft, sagen hier verantwortlich dafür.
00:06:30: Also es braucht definitiv noch mehr Zeit.
00:06:33: Aber es steht im Bericht, dass ein Lichterüberhang beim Radikal pro palästinensischen Lager festgestellt werden kann.
00:06:40: Auch hier wieder.
00:06:41: Die jüdischen Menschen hier in der Schweiz können das Geschehen Israel relativ direkt zu spüren über.
00:06:47: Am Amit ist aber wichtig, dass man das differenziert.
00:06:51: Ich glaube, ich muss die Geschichte besser kennenlernen, hören, verstehen.
00:06:59: dass die Juden im Moment eingeschränkt sind, nicht wie in die Holocaust-Zeit, aber vielleicht ein paar Jahre vorher.
00:07:07: Ich kann nicht mehr laufen stolz und frei wie jeder Schweizer in der Schweiz.
00:07:14: Ich kann nicht laufen mit David Shield als Kette.
00:07:18: Ich kann nicht schreien auf den Breis.
00:07:20: Mama, komm zu mir bitte helfen oder so wie kleine Kinder hier.
00:07:30: Hier ist Hannah Einhaus der Hei.
00:07:34: Sie ist bei der jüdischen Gemeinde Bern Co-Präsidentin in der Kulturkommission.
00:07:39: Sie ist aber auch als Historikerin und Journalistin tätig und sie weiss auch einiges über die historische Präsenz vom Judentum in der Schweiz.
00:07:49: Also von einer Minderheit, die es bei uns schon sehr lange gibt.
00:07:52: Und Georg Hoffmann hat mit ihr geredet.
00:07:54: Die jüdische Präsent ist wirklich sehr alt.
00:07:56: Es gab ja zurück bis Ende des Jahres, bis Ende des Jahres, bis Ende des Jahres, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Ende des Jahr, bis Gerade jetzt seit dem siebten Oktober, wo immer mehr nur noch von Palästina und Pro-Palästinensischen Demos geredet ist, merken wir schon, dass eigentlich die Wahrnehmung von jüdischem Leben, von jüdischer Kultur immer mehr fast nur noch dort brüllen.
00:08:32: von dem Gasachreien wahrgenommen wird.
00:08:35: Dass z.B.
00:08:37: jüdische, die da aufgewachsen ist in Bern, plötzlich als Zionistin beschimpft wird, wie wenn jetzt die Person etwas zu tun hat mit dem Krieg in Gaza.
00:08:47: Gerade dort wünscht man sich in jüdischen Kreisen mehr Differenzierungen als unterscheidigt zwischen Lebensweisen, Lebenswelten.
00:08:54: Heißt auch, jüdische Menschen in Israel zum Beispiel und jüdische Menschen in anderen Ländern ticken ja nicht alle gleich.
00:09:00: Ein jüdischer Gemeind in New York, Buenos Aires, Tokyo, Rom und Zürich, das ist schon in Bern.
00:09:08: Das sind wirklich sehr verschiedene Communities und auch sogar innerhalb, z.B.
00:09:15: in Zürich, wo es noch ein Autodoc gibt.
00:09:17: Gemeinde gibt es unter Ultra-Auto-Docs und Liberale.
00:09:20: Dort sind es dann nochmal sehr unterschiedliche Formen.
00:09:24: Von daher ist es eine sehr diverse Welt.
00:09:27: Und doch werden häufig alle zusammen in einem Schubladen hier als quasi die Juden.
00:09:35: Am sichersten sind natürlich die, die sich traditionell kleiden und auch religiöse Praktik befolgen.
00:09:40: Und damit wären wir gerade sofort bei Vorurteilen.
00:09:44: Die Schwierigkeit
00:09:45: bei einer Wenig bekannte oder kleine Minderheit, dass man zuerst gewisse Stereotypen im Kopf hat, die im Fall von Juden tatsächlich als Stereotyp mit dem schwarzen Kittel.
00:09:59: Aber es gibt natürlich alles.
00:10:02: Alle Formen von Judinnen und Juden, die angelegt sind wie in jeder Durchschnittschweizer, die man von außen sieht.
00:10:12: Jüdische ist auch nicht unter anderem, die sich auffällig anlegen.
00:10:16: Das gilt auch in anderen Ländern.
00:10:18: Jüdisch ist sehr vielseitig und letztlich auch etwas universelles.
00:10:23: Jüdische Menschen sind zum Teil mehr, zum Teil weniger religiös.
00:10:26: Hanna Einhaus sagt auch, dass unauffällig geleidete Religiöse sein können, z.B.
00:10:32: Schabati halten, gewisse Tätigkeiten am Samstag nicht machen oder gewisse biblische Erwände, Ess-Traditionen weiterpflegen.
00:10:41: Es kann also sein, dass sich jüdische Menschen in einer Mehrheitsgesellschaft integrieren oder dass sie sich in einer parallelen Gesellschaft befinden, sich quasi isolieren.
00:10:50: was dann in speziellen Quartier sichtbar werden kann.
00:10:54: Die Historikerin und Journalistin wüssten noch vieles zu berichten.
00:10:57: Ich bin aber mit ihr auf ein akutes Problem nachkommen, das sich als Kulturvertreterin speziell als Bern nicht so sieht.
00:11:04: Wenn man jüdische Veranstaltungen machen will, machen wir diese praktisch nur noch innerhalb der jüdischen Gebäude von der jüdischen Gemeinde.
00:11:13: Das hat immer damit zu tun, dass es dann höchere Security ist, dass man sich voran älternt, mit Namen und Ausweis zeigen kann, wenn man kommt.
00:11:22: Das ist sehr aufwendig.
00:11:24: Wenn man jüdische Veranstaltungen machen will, außerhalb der jüdischen Gemeinde, dann wird das eigentlich immer etwas schwieriger.
00:11:32: einen Raum zu finden und auch dort muss man eigentlich zunehmend eine No-Security anstellen, weil es doch einfach ein gewisses Risiko ist.
00:11:44: Und das Interessante ist, oder das Absurde ist, dass es um ein jüdisches Thema geht, das nichts.
00:11:52: Die Brücke hat nichts mit Israel und mit der Ansatz.
00:11:55: Aber es kann am Schluss trotzdem einfach nach Hause laufen, dass es irgendwie, weil es halt jüdisch ist, weil irgendjemand mit der Palästina vorne mit vorbei geht, um zu undeln und motzen.
00:12:08: Es ist ziemlich anstrengend.
00:12:10: Alles, was irgendwie nach jüdisch Schmeckt im öffentlichen Raum wird zionistisch taxiert und ist bedroht von dem Ausschluss aus der Gesellschaft und von Beugkot.
00:12:24: Das spüren wir schon ziemlich stark.
00:12:27: Heißt, man wird gecancelt und es läuft auf Diskriminierung aus, was leider ja auch nicht.
00:12:33: ein neues Phänomen ist, sondern Antisemitismus, das sich wiederholt im Laufe der Geschichte.
00:12:39: Ich habe eine Biografie geschrieben über ein Werner Anwalt, der vor neunzig Jahren einen wichtigen Prozess geführt hat.
00:12:46: Er hat gesagt, Antisemitismus ist eigentlich ein wichtiger Indikator oder Seismograph, bis es in einer Demokratie geht.
00:12:54: Also, wenn irgendwo Antisemitismus, wenn der Judenhass sich ausbreiten kann, sieht es meistens nicht so gut aus und die Demokratie und der Rechtsstaat.
00:13:10: Georg Hoffmann konnte auch noch mit der weiteren betroffenen jüdischen Frau sprechen.
00:13:14: Wir sagen hier einfach Nadine und sie ist Zürcherin.
00:13:18: Sie ist hier aufgewachsen, hat hier studiert und nach einer Lebensphase in Israel ist sie jetzt auch wieder zurück in der Schweiz.
00:13:25: Und sie ist Teil der jüdischen Bevölkerung hier.
00:13:27: Das heisst, sie kennt auch die Situation in den jüdischen Quartieren.
00:13:31: Und gerade dort merkt man momentan schon eine starke Verunsicherung.
00:13:35: Und das kommt auch bei Kundgebungen zum Ausdruck, das Nadine immer wieder dabei ist.
00:13:40: Das sind auch Demos, die wegen dem Krieg an Israel seit dem siebten Oktober zwanzig, drei zwanzig immer wieder einmal stattfinden.
00:13:49: Im Moment habe ich das Gefühl, es ist wie eine Zwischenphase.
00:13:52: Es ist eine neue Heimat zu finden.
00:13:56: Ich habe lange gewusst, wo ich bin, wer mit mir steht.
00:14:00: Ich habe gemeint, ich wüsste es.
00:14:02: Und ich muss sagen, am achten Oktober bin ich aufgewacht und plötzlich habe ich das Gefühl, hey!
00:14:07: Wo sind denn all die Leute, die ich gemeint habe?
00:14:09: Sie stehen mit mir, die Frauen, die ich mit ihnen gelaufen bin, die Feministinnen, die Liberalen, die Sozialen.
00:14:17: Also wirklich Menschen, die ich mir sicher war, dass sie zu uns stehen, mit uns stehen, sind dann einfach nicht da gewesen und sind ruhig gewesen.
00:14:25: und noch schlimmer sind wir uns in den Rücken gefallen.
00:14:27: Und das hat mich sehr, sehr betroffen
00:14:29: gemacht.
00:14:34: sind sie in den gleichen Kreisen, wenn es um das Thema Israel geht, zum Beispiel.
00:14:43: Oder sie spürt sogar Antisemitismus, die nicht nur von rechts, sondern auch vom radikalen Islam und auch von radikalen Linken kommen kann.
00:14:51: Das löst sie noch mehr für Unsicherung aus.
00:14:53: Ich habe
00:14:54: mal gedacht, ich sei sicher, da, wo ich bin und dass eben alle guten Leute Zu uns stehen, mit uns stehen, als jüdische Gemeinde, als jüdische Mitbürger.
00:15:07: Und diese Sicherheit habe ich jetzt nicht mehr.
00:15:10: Ich habe das Gefühl, jetzt haben andere Solidaritätsbekenntnisse da.
00:15:16: Ich kann einfach nicht mehr darauf vertrauen.
00:15:17: Bei mir ist das Urvertrauen erschüttert.
00:15:20: Geopolitisch haben sich die Fronten auch so verschoben, dass man heutzutage nicht mehr rechtweiss, wer steht, wo.
00:15:28: Viel mehr Minderheiten müssen jetzt schauen.
00:15:30: Man könnte es für sich selber einstellen.
00:15:32: Ich denke, der politische Islam steht auch im Zentrum, dass man das weiterhin beobachten muss.
00:15:39: Die Schrei nach Globalized-Intifada hat nicht nur Wirkung gezeigt.
00:15:44: Faktische Wirkungen sind in Bondi Beach und in den USA, in England und in Frankreich.
00:15:50: Das ist natürlich auch eine akute Bedrohung hier.
00:15:53: Und dann weiss man nicht, was hinter der Kulisse läuft.
00:15:56: Wenn ich gerade nicht aktuell etwas lege, weiss ich nicht, was die Leute planen.
00:16:03: Im Hintergrund und wenn es in einem Zeichen kommt, was dann stattfindet.
00:16:07: Also ich habe Angst.
00:16:09: Intifada bedeutet nicht nur ein harmlosen Protest oder Solidarität.
00:16:13: Intifada bedeutet im nachen Osten früher auch offene Kriege und Terror.
00:16:17: Wenn man das jetzt also global übersetzt umdreht, wird es also weltweit auch das bedeuten.
00:16:24: Also ich denke, die erste Reaktion ist das epigenetische Trauma von dem jüdischen Volk, dass ich jetzt mit den Packen der Koffer hier sitze, dass ich mir die ganze Zeit überlege, wenn Musik an, Musik an, was müsste passieren, damit ich würde gehen, woher würde ich gehen.
00:16:41: Und es gibt einfach keine guten Antworten auf all diese Fragen.
00:16:46: Ich war sicher, dass man nicht in so einer Situation je wieder werden muss, dass ich mir diese Fragen stellen muss.
00:16:53: Ja, die lokale Politik hat dazu beiträgt, dass man den Hass auf der Strasse so breite Lauf lässt und das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern Hass und Hetze ist klar abzugrenzen von Meinungsfreiheit.
00:17:08: Das ist ja nicht mehr eine Meinung, etwas zu hassen, sondern eher das Gefühl.
00:17:13: Genau, aber wenn man dem so viel umgibt.
00:17:17: Ich finde das nicht okay und das macht etwas mit mir, als jüdische Person.
00:17:21: Ich denke mit uns als jüdischen Gemeinde, aber ich kann mich nicht für alle reden.
00:17:26: Gemeinde sind auch unbewilligte Demos, die eskalieren.
00:17:29: Da wird verbal und physisch Gewalt ausgeübt.
00:17:32: Und ja, was gerade in Australien passiert ist, kann vermeintlich überall passieren.
00:17:37: Ein gezieltes Massaker gegen die jüdische Bevölkerung kriegt das befürchte Menschen in Zürich genauso wie in Sydney.
00:17:44: Ich war letztens an einer Grundgebung, eine stille Grundgebung gegen Antisemitismus.
00:17:51: Und dort ist eine unbewilligte Demo gerade gegenüber der ... Schmalen Strasse vom Limat gegeben, wo jemand einen Scharf im Waffen dabei hatte.
00:18:03: Danach konnte der Kugel-Eise über den Fliegen.
00:18:05: Die Polizei hat uns wirklich glaubhaft und gut geschützt.
00:18:08: Kompliment für die Stadtpolizei Zürich.
00:18:10: Aber die Politik erlaubt, dass solche Demonstrationen nicht.
00:18:15: Von mir aus, wenn nötig auch gewaltsam aufgehalten werden oder sichergestellt wird, dass das nicht stattfindet, danach ist es eine Frage der Zeit.
00:18:24: Habe ich Angst, dass etwas auch in Zürich passiert?
00:18:26: Und ich hoffe sehr, dass ich da vor allem schliege.
00:18:29: Und auch wenn man sich betrachtet, wird Nadine nicht einfach symbolisch mitteleid, sondern konkrete Aktionen und Reaktionen.
00:18:37: Also heisst für sie Verbot von Terror und wie sie sagt, auch von politischer Terror mit Finanzierung.
00:18:49: Die jüdischen Menschen in der Schweiz sind oft Teil von jüdischen Gemeinden.
00:18:54: Und da gibt es als Dachverband von einem Großteil der Juden und Jüdinnen in der Schweiz, der schweizerische, israelitische Gemeindebund SIG.
00:19:02: Sie bringen auch die jährliche Antisemitismusbericht raus, die ich früher schon erwähnt hatte.
00:19:08: Generalsekretär des SIGs, Jonathan Kreutner.
00:19:11: Mit ihm habe ich auch telefoniert, um noch einen Überblick aus der Vogel zu kommen.
00:19:17: Perspektive sozusagen, wie es den jüdischen Menschen hier in der Schweiz geht.
00:19:22: Also seit dem siebten Oktober, wo es eine explosionsartige Zunahme für antisemitische Vorfälle gegeben hat, spüren wir keine Entspannung.
00:19:32: Es ist eine Durbelastung hier.
00:19:34: Wir hatten einen Höhepunkt von Vorfällen letztes Jahr, sehr viele Fälle und auch eine Stimmung.
00:19:42: die die jüdische Gemeinschaft sehr belastet und auch auswirklichen hat auf den Alltag von jüdischen Menschen in der Schweiz.
00:19:49: Wir haben auch gehört von jüdischen Menschen, die ihre Sprache zum Beispiel hebräisch oder jüdisch und Identität verstecken, weil sie Sorge oder Angst haben.
00:20:00: Was bedeutet das für sie als jüdischen Dachverband SIG?
00:20:05: Es kommen ganz viele Menschen auf uns zu.
00:20:07: Wir haben ja auch eine Studie in Auftrag gegeben, die zeigt hat, jetzt aufs Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr- und Jahr-.
00:20:35: Aber das zeigen auch die Rückmeldungen, die wir bekommen.
00:20:38: Die Stimmungslage bei ganz vielen jüdischen Menschen hat sich massiv verschlechtert seit dem siebten Oktober und ist immer noch auf einem sehr hohen Niveau.
00:20:49: Ist das eigentlich immer noch Bestand?
00:20:51: Und das ist etwas, das uns sehr zu denken gibt, weil wenn jüdische Menschen in der Schweiz ihr jüdisches Leben nicht mehr bereit sind oder Angst haben davor, dass öffentlich irgendwie eine Scheinung treten.
00:21:04: Dann ist das letztlich auch ein Anmutzzeugnis für die Gesellschaft und für unser Land.
00:21:09: Wieso sollten uns solche Vorfälle als ganze Schweizer Bevölkerung interessieren?
00:21:16: Weil letztlich auch den Zustand der jüdischen Gemeinschaft als Minderheit nicht nur letztlich ein Problem ist von der jüdischen Minderheit oder der Gemeinschaft, sondern auch den Zustand einer Gesellschaft zeigt.
00:21:28: Und wenn religiöse Minderheit in diesem Land sich nicht mehr getraut, jüdisch in der Öffentlichkeit zu leben, ihres religiösen Lebens zu zeigen, zu leben, Angst hat, dann zeigt das auf dem Zustand einer Gesellschaft, wo es uns denken muss und wo die gesaltige Gesellschaft eigentlich Interessen daran muss haben, da gegen Stürze zu bringen.
00:21:51: Was wäre das konkret?
00:21:54: Erstens auf allen Ebenen Antisemitismus zu bekämpfen, sagt das natürlich mit den rechtlichen Mitteln, die man zur Verfügung hatte.
00:22:06: auch ganz klar rote Linien setzen, dort, wo es nicht schon rechtlich relevant ist.
00:22:11: Situationen versuchen zu entschärfen, wo jüdische Menschen Angst machen, Sicherheitsgefühl von jüdischen Menschen ernst nehmen und vor allem sehr viel auch in Präventionsstecken, Prävention in gesellschaftlichen Umwelten, aber vor allem auch an der Schule.
00:22:29: Wie könnte so eine rote Linie in meinem Leben zum Umsetzen konkret aussehen?
00:22:35: Also uns ist es wichtig, dass man klar unterscheidet zwischen den strafrechtlich relevanten Vorfällen, die man nach dem Gesetz handeln kann.
00:22:43: Dann gibt es nach unserer Interpretation, d.h.
00:22:47: nach allgemein anerkannten Antisemitismus-Definitionen, antisemitische Vorfälle.
00:22:53: Und dann gibt es eben auch Situationen, die zu Gewalt rufen.
00:22:59: diskriminierend wirken auf jüdische Menschen.
00:23:02: Und dort müsste man stärker die rote Linie ansetzen.
00:23:06: Man müsste ganz klar sagen, wenn Räume entstehen, wenn Räume geschaffen werden, Situationen geschaffen werden, die sich jüdische Menschen nicht mehr wohl fühlen, wo sie sich ausgeschlossen fühlen oder im schlimmsten Fall eben auch bedroht fühlen, dann ist das eine rote Linie, die überschritten ist, die man dann eigentlich nicht mehr akzeptieren
00:23:28: kann.
00:23:29: Wenn ich z.B.
00:23:30: ein Zürich im Tram sehe, dass ein jüdischer Mensch angegangen wird, wie könnte das aussehen?
00:23:37: Da reden Sie jetzt auch von Zivilgurage, also dass es nicht mehr angegangen wird.
00:23:43: sprechen wir eigentlich alles bewusst, dass man ganz stark sich eigentlich auch einsetzt.
00:23:48: Aber das ist wirklich schon ein konkreter Vorfall, das ja sehr gravierend ist.
00:23:53: Aber es geht uns weiter, dass wenn Räume geschaffen werden, die in irgendeiner Form jüdischen Menschen ein Leben schwer machen oder sie ausgrenzen, meistens auch über gewisse Aussagen auf Israel oder einen Ostkonflikt bezogen, dass man dort ganz klar sagt, dass in einer Gesellschaft, wo Inklusion und zusammen aber wichtig ist, so ausgrenzende Verhalten keinen Platz hat und vor allem Gewaltaufrüfe gegenüber jüdischen Menschen oder gegenüber den jüdischen Staaten einfach unhaltbar sind.
00:24:25: Haben Sie eine Prognose oder eine Hoffnung?
00:24:29: Also eine Prognose fand ich nicht, wenn ich das wehrwerklichen Profit.
00:24:33: Ich sehe einfach, dass wir auch nach ... nach dem siebten Oktober immer noch auf einem wahnsinnig hohen Niveau von Vorfällen, einfach von Unsicherungsgrad uns zu bewegen.
00:24:44: Obwohl eigentlich die Situation im neuen Osten auf den Papier zumindest eine gewisse Entspannung erlebt.
00:24:51: Ich befürchte, dass wir auf einem empfunden Niveau oder eine Situation erreicht haben, die so zu einer Art Normalität könnte werden.
00:25:01: Und das ist das, was mir eigentlich wirklich Angst macht.
00:25:06: Was ist Ihre Hoffnung?
00:25:08: Die Hoffnung ist, dass ich falsch lege.
00:25:10: Die Hoffnung ist, dass vielleicht eine gewisse Entspannung eintritt.
00:25:14: Die Hoffnung ist auch, dass man vielleicht auch an Einsicht bei gewissen Gruppierungen, bei Menschen, dass Prävention greift.
00:25:24: Die Hoffnung ist da, dass er auch ... Mit vielen Maßnahmen, die wir auch gefordert haben, wie zum Beispiel eine Strategie gegen Antisemitismus, können diese Tendenzen gegen Steuern boten werden.
00:25:38: Aber ich bin nicht naiv, das wird nicht von heute auf morgen gehen und es wird vielleicht auch nicht vollständig sein.
00:25:43: Aber wir müssen alles versuchen, um diese Tendenzen in irgendeiner Form zu stoppen, um zu kehren oder zu bremsen.
00:25:51: Als konstruktive Massnahmen könnte man an dieser Stelle sicher das Likrat-Projekt erwähnen.
00:25:57: Likrat ist hebräisch und heisst aufeinander zugehen.
00:26:01: Das ist ein Ziel dieses Projekts.
00:26:02: Das Miteinander der Menschen in der Schweiz fördern gerade sonderes in Bezug auf das Judentum, ihre Kultur und der Glauben.
00:26:10: Zum Beispiel mit Informationskampagnen oder in Schulen.
00:26:13: Es geht um Toleranz und der gemeinsame Dialog.
00:26:21: Man will in dem Podcast nicht die Politik zu Israel beleuchten.
00:26:25: Extra nicht, sondern die Situation der jüdischen Menschen, speziell in der Schweiz.
00:26:29: Das ist nämlich etwas anderes.
00:26:32: Und es zeigt sich, sie stehen unter Druck, sind im Alltag eingeschränkt, haben Angst.
00:26:38: Man hat persönliche Beispiele von Vorfällen, die ich mir kaum vorstellen kann.
00:26:43: Und das Gleiche ist die Realität für einige.
00:26:45: Weltweit gibt es natürlich noch mehr so Geschichten.
00:26:48: Natürlich auch von und mit anderen Menschengruppen.
00:26:51: Aber das ist jetzt mal einfach das Bild der jüdischen Menschen in der Schweiz, wie es wir abbilden können.
00:26:57: Konstruktiv kommen wir uns sicher an der eigenen Nase nähen, jeden von uns.
00:27:01: Unsere Gedanken, unsere Sprache, wenn es um die Juden in Anführungszeichen geht.
00:27:06: Und weitertenkt geht es auch um Zivilcourage und einfach Toleranz und Nächsterliebe allen Menschen gegenüber.
00:27:14: Das Gast war.
00:27:15: in dieser Folge sind Amit aus Winterthur, die Historikerin Journalistin und Co-Präsidentin der Kulturkommission der Jüdischen Gemeinde Zbern, Tana Einhaus, Nadine aus Zürich und dann noch den Jonathan Kreutner, Generalsekretär vom Schweizerischen israelitischen Gemeindenbund SIG.
00:27:34: Wir haben in dieser Woche Georg Hoffmann und ich, ich bin der Raphael Stegmeyer.
00:27:39: Wir verrelevanten das Wochenmagazin, melden uns in einer Woche wieder.
00:27:42: Es gibt aber auch noch andere wertvolle Inhalte, die wir von ERF Media bieten haben.
00:27:47: Also wenn du oder dein Umfeld unsere Arbeit einfach interessant oder sogar hilfreich findest, dann würden wir uns sehr über deine Unterstützung freuen.
00:27:57: ERF Media lebt nämlich von Spenden.
00:27:59: Jeder Franken hilft uns, dass wir die anderen Podcasts auch in Zukunft produzieren können.
00:28:04: Spenden das Gata-Best über den Link in der Shownots.
00:28:07: Danke fürs Lassen und bis zum nächsten Mal.
Neuer Kommentar